Neues aus dem Land der Dichter und Denker

Zugegeben, ich habe sie in letzter Zeit vernachlässigt, die Buchläden in meiner Umgebung. Es ist ja auch so bequem, den persönlichen Buchbedarf über das Internet abzudecken. Außerdem findet man dort immer was man sucht. Doch wenn die beste Ehefrau von allen unter hohem Zeitaufwand die Schuhgeschäfte im nahe gelegenen Einkaufszentrum „heimsucht“, dann nutze ich die Zeit gerne, um mich in Buchläden umzusehen.

Das habe ich gestern wieder getan .., und mir die Augen gerieben.  Wo sind denn die Regale mit den Büchern der Zentralgestirne deutscher Literatur: Herder, Fichte, Goethe, Schiller, oder wenigstens Kurt Tucholsky? Ich finde sie nicht. Nirgends. Nicht  in den aufgebahrten Büchern der Bestsellerlisten, nicht zwischen den überbordenden Rubriken „Esoterik“ und „Geschichte“ und auch nicht zwischen unzähligen Reiseführern und drittklassigen Fotobänden. Sofort und ungewollt fand ich hingegen Charlotte Roches Schmuddelbüchlein „Feuchtgebiete“ (hätte es ein Mann geschrieben, würde man ihn wohl schlicht eine „Wildsau“ nennen) und Werke „grandioser Autoren“ wie Dieter Bohlen, usw.

Ich begebe mich zum Schalter, über welchem das Schild „Information“ hängt. Dort ist gerade ein Angestellter dabei, eine Palette von Dieter Bohlens Buch „Planieren statt sanieren“  im Eiltempo mit neuen Preisaufklebern zu versehen. Also frage ich eine andere junge Dame:

„Sagen Sie, wo finde ich denn Bücher von Herder, Fichte, Schiller (Goethe ließ ich absichtlich weg, den sollte ja jeder kennen) und so weiter?“

Sie: „Hm, das sind alte Dichter, gell?“

Ich: „Naja, genau genommen sind sie schon tot!“

Sie: „Ach so, sie suchen ganz alte Literatur. Ja also die sind alle bei den Romanen alphabetisch nach Autorennamen eingeordnet.“

Ich: „Und wenn ich aber keine Romane, sondern z.B. Gedichte suche, wo finde ich denn diese?“

Sie: „Ah, nicht zuzuordnende Literatur, die schieben wir da vorne in das Regal hinein.“

Goethes Gedichte nicht zuzuordnende Literatur? – denke ich und begebe mich auf die Suche. In der Tat, an genannter Stelle fand ich wirklich ein paar Gedichtsbände unbekannter Autoren, Aphorismen-Sammlungen und ähnliches.

Ich wagte den Frontalangriff: „Bitte“, flehte ich die junge Frau an, „ich suche Goethes ‚Faust 1+2‘ und Gedichtesammlung, beide aus dem Beck-Verlag und kommentiert von Erich Trunz. Wo finde ich die?

Sie: „So etwas Exotisches haben wir glaube ich nicht, ich seh mal im Computer nach… mal sehen …. Goethe schreibt man mit ‚H‘, gell?“

Ich: „Ja… und mit ‚oe‘, nicht mit „ö“…“

Sie: „Gut, danke, hätte ich glatt falsch geschrieben, wäre aber egal, die Software probiert ohnehin beide Schreibweisen… ja… ja.. ich habe das Gewünschte gefunden. Wir haben das nicht in unserem Bestand, aber ich könnte Ihnen die Bücher bestellen, sie sind lieferbar und sie könnten sie in drei/vier Tagen bei uns abholen…?!

Ich: „Danke, ich bestelle im Internet, da habe ich die Bücher binnen 24 Stunden.“

Sie: „Das ist natürlich auch eine Möglichkeit…“

Ich verabschiedete mich höflich, konnte aber noch den beginnenden Dialog zwischen der  Kundin nach mir und der Verkäuferin mithören:  „Ich suche ein Buch von Harpe Kerkeling, …  irgendwas steht da im Titel vom Jakobsweg…“. Antwort: „Sie meinen ‚Meine Reise auf dem Jakobsweg‘, ja, das haben wir hier; gleich vorne auf den Auslagetischen…“

Ich schlendere noch bei den Romanen vorbei… finde unter „G“ aber keinen Goethe, unter „F“ keinen Fichte, und nicht einmal unter „T“ einen Tucholsky und denke, wie gut, dass es Online-Buchläden gibt …

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